Impuls zu Pfingsten

Ein frohes und gesegnetes Pfingstfest – das wünschen wir allen Freundinnen und Freunden unserer KHG. Auch wenn das vielleicht ein wenig unvertraut in manchen Ohren klingt. Frohe Weihnachten, Frohe Ostern – das sind Standardformeln, vorgedruckt auf Grußkarten. Aber wo gibt es Grußkarten zum Thema „Frohe Pfingsten“?

Pfingsten, das ist in unseren Breiten ein schlichteres Fest, ohne Geschenke, ohne allgemeinverbindliches Brauchtum (wenn man von landwirtschaftlich geprägten Bräuchen wie Flurumgängen oder Pfingstochsen, die sich in einigen Gegenden noch erhalten haben, absieht). An Pfingsten kann man entspannt in den Urlaub fahren oder eines der vielen Festivals besuchen – ohne schlechtes Gewissen, weil man sich „eigentlich“ bei der Familie einfinden und dort die Tradition pflegen müsste.

Für uns Christen ist das einerseits ebenfalls recht entspannend. Wir müssen den Wesenskern des Pfingstfestes nicht gegen Kommerzialisierung und Trivialisierung, gegen Osterhasen und Weihnachtsmänner verteidigen. Andererseits bleibt aber ein kleines Unbehagen. Ist Pfingsten nicht eigentlich das Fest des Aufbruchs, der Begeisterung und Euphorie, das was uns motivieren sollte, unseren Glauben kraftvoll und mutig zu verkünden und zu leben? Mal ehrlich: Wieviel spüren wir davon noch?

„Wer Ostern laut jubelt, weiß nicht, was er an Pfingsten feiern soll“, so erklärt der Theologe Michael Böhnke dieses Dilemma. Für viele von uns steckt in Ostern einfach nur die Botschaft: „Halleluja, Jesus lebt. Alles ist gut.“ Und dann geschieht, was Kurt Tucholsky mit seiner Berliner Schnauze auf den knappen Nenner bringt: „Es wird nach einem happy end im Film jewöhnlich abjeblendt.“

Ja, alles ist gut, sagt uns die Bibel. Jesus lebt. Aber nicht, um einfach so weiterzumachen wie bisher. Jesus geht zum Vater und sendet den Jüngern seinen Geist, so, als ob er sagen wollte: „Ihr seid jetzt dran. Jetzt geht es für euch erst richtig los. Ihr habt meinen Geist, ihr seid Priester, Könige und Propheten. Es ist eure Welt, eure Verantwortung. Ihr habt alles, was ihr braucht, und ihr seid nicht allein – ich bin bei euch alle Tage. Packt es an!“

Seitdem sind 2000 Jahre vergangen. Die Pfingstbotschaft ist im Lauf der Christenheitsgeschichte immer wieder vergessen und verschüttet worden. Der christliche Glaube an Befreiung und Erlösung wurde oft genug umgedeutet und missbraucht, um herrschende Verhältnisse zu stabilisieren und Menschen zu knechten. Und doch war der Geist Gottes nicht „totzukriegen“.

Martin von Tours, Franziskus und Clara von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Martin Luther, Mahatma Gandhi, Mutter Teresa von Kalkutta, Frère Roger, Martin Luther King, Oscar Romero – viele bekannte Persönlichkeiten der Geschichte, aber auch viele, die heute vergessen sind, haben sich in-spir-ieren und be-geist-ern lassen von der christlichen Botschaft, sie immer wieder neu zu verstehen versucht – innerhalb und außerhalb der verfassten Kirche. Oft sind sie dabei angeeckt, oft kamen sie auch in Konflikt mit Politikern und Kirchenoberen, oft wurden sie für verrückt erklärt. Sie waren radikal, anstrengend und unbequem, ab und zu verrannten sie sich auch in eine Sackgasse. Und nicht immer gab es ein Happy End. Manchmal – wie etwa im Fall Martin Luthers – kam es in der Folge zu Verletzungen und Brüchen, die nicht mehr zu heilen waren. Manchmal mussten sie – wie beispielsweise Oscar Romero – ihren Mut mit dem Leben bezahlen. Ihre Gedanken, ihre Botschaft, ihr Lebenszeugnis blieben dennoch lebendig.

Der Geist weht, wo er will. Für mich wirkt er überall dort, wo Menschen für Menschenwürde, Frieden und Gerechtigkeit eintreten, wo sie den Mut haben, ihre Stimme für die Schwachen zu erheben und sich dabei auch unbeliebt zu machen, wo sie ihre Angst und ihren Egoismus überwinden und sich in den Dienst für andere stellen. Manchen gibt er den Mut, alles zu riskieren – selbst ihr Leben. Bei anderen wirkt er nicht so spektakulär, sondern in der Stille, in einem einfachen, aber konsequenten Leben. Wir können sein Wirken nicht „machen“, nicht festhalten und auch nie ganz verstehen.

Aber wir dürfen glauben: Er ist da. Er wirkt auch in uns, durch uns. Wir dürfen durch ihn frei werden und andere frei machen. Lasst uns be-geist-ert leben – Frohe Pfingsten!

Pfingstlied
(von Lothar Zenetti, nach dem Pfingsthymnus „Veni creator spiritus“

Komm, geheimnisvoller Atem,
leiser zärtlicher Wind,
hauche uns an, damit wir leben,
ohne dich sind wir tot!
Komm, in Feuer und in Flammen,
zünd uns an wie ein Licht,
mache uns trunken von der Liebe,
wir sind starr, tau uns auf!

Komm, Erfinder neuer Sprachen,
giess dich aus über uns,
rede in uns mit neuen Zungen,
komm, begeistere uns!
Komm, du Hoffnung der Armen,
schaff den Wehrlosen Recht,
dass die Gebeugten sich erheben,
dass sich Völker befrein!

Komm, du Trösterin aller Müden,
Stille mitten im Lärm,
in den Terminen schaff uns Pausen,
lass uns ausruhn in dir!

Komm, du Taube übers Wasser,
bring den Ölzweig herbei,
bring uns Zeichen für den Frieden,
den die Erde ersehnt!

Komm vom Vater und vom Sohne,
komm, du schaffende Kraft,
mache uns neu,
und unsre Erde hat ein neues Gesicht!

Fotos: Michael Anger

IMG_20170509_212104Der Klimawandel ist kein Schicksal, das wir ergeben hinnehmen müssen. Wir können etwas tun! Verhindern können wir ihn nicht mehr, aber es ist durchaus möglich, seine Auswirkungen auf Mensch und Natur durch gezielte Gestaltung zu begrenzen.

Das war die Botschaft, die uns Alicia Medina Valdiviezo, Carla Madueño Florian und Nikunj Pathak eindrucksvoll und mit großem Engagement am Dienstag, 9. Mai, bei unserem Gemeindeabend im Rahmen der Klimawoche an der Universität Bayreuth    nahebrachten. Unter dem Titel „„Climate Change is already at our door. Are we ready for this?“ nahmen uns die drei Studierenden im Master Global Change Ecology mit auf eine kleine Weltreise. Kanada, Peru und Indien waren Stationen im Reiseprogramm.

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Dabei war es nicht gestattet, im „virtuellen Flieger“ sitzen zu bleiben – vielmehr mussten alle Teilnehmer(innen) im Rollenspiel als Regierungsvertreter(innen), Bürger(innen), NGO-Aktivist(innen) oder Wirtschaftsvertreter(innen) eines Landes Stellung beziehen. Komplizierte Verflechtungen aus Politik, Wirtschafts- und Bürgerinteressen wurden so deutlich, die Entwicklungen hemmen oder auch voranbringen können.

Am Ende stand eine lange Liste von kleinen, aber wichtigen Schritten, die auch wir hier vor Ort gehen können, um zu einer ökologischen und nachhaltigen Weltwirtschaft beizutragen – Fairtrade, Foodsharing, sparsamer Umgang mit Energie, Abfallvermeidung und vieles mehr. Jede(r) kann etwas tun. Oder, wie Papst Franziskus es in seiner Enzyklika „Laudato Si“ formuliert: „Alle können wir als Werkzeuge Gottes an der Bewahrung der Schöpfung mitarbeiten, ein jeder von seiner Kultur, seiner Erfahrung, seinen Initiativen und seinen Fähigkeiten aus.“IMG_20170509_230107

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Nun strebt sie ihrem Höhepunkt zu, die „fünfte Jahreszeit“. Nur noch wenige Tage bleiben, um sich in das ausgelassene Treiben der Narren zu stürzen. Und dann ist „am Aschermittwoch alles vorüber“, wie es im Schlager heißt – oder?

Der „Kehraus“ am Faschingsdienstag macht es jedes Jahr deutlich: Es gibt eine Zeit für Spaß und Vergnügen, es gibt aber auch eine Zeit für Nachdenken und Stille. Beides gehört zum Leben.

Aber vielleicht ist der Umbruch gar nicht so groß, wie man meint. Auf ihre je eigene Weise haben Fasching und Fastenzeit dasselbe Anliegen: Sie durchbrechen den Alltag und stellen die Dinge auf den Kopf. Kinder oder Narren übernehmen vielerorts im Land die Rathausschlüssel, um zumindest symbolisch zu zeigen: Es geht auch anders. Wir sind es gewohnt, dass die einen oben an der Macht sind und die anderen unten im Volk – aber auch die „Kleinen“ sind wichtig. Das kennen wir auch aus der Bibel: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ singt das jüdische Mädchen Maria, als ihr bewusst wird, was Gott mit ihr und ihrem Kind vorhat. In unserem Glauben geht es um nichts weniger als um eine neue Weltordnung.

Ganz so ernst meinen wir es im Fasching oder Karneval denn doch nicht. Es ist nur ein oberflächlicher Umbruch, es sind nur ein paar Tage, an denen scheinbar alles anders wird – und wir zelebrieren dieses „Andere“ im Wissen, dass wir wieder zur „guten alten“ Ordnung zurückkehren werden.

Dennoch kann diese Zeit, wenn sie gut gestaltet wird, eine reinigende und klärende Wirkung haben. Denn sie macht ein kleines Fenster auf und zeigt, wie es auch anders gehen könnte. Eine gute Büttenrede hält den Menschen einen Spiegel vor. Fasching, Fastnacht, Karneval: Sie zelebrieren die Eitelkeiten der Welt – oder auch des jeweiligen Chefs, der dem Betriebsfasching notgedrungen beiwohnen muss –  in übertriebener und lächerlicher Form, im besten Falle, um sie zu entlarven. Wer gut zuhört, der wird vielleicht bescheidener und aufmerksamer.

Auch die Fastenzeit will ein solcher Spiegel sein. In der Fastenzeit geht es uns Katholiken nicht um exzessive Bußübungen oder darum, besonders fromm zu werden. Es geht vielmehr darum, zu entdecken, wer wir wirklich sind – jenseits der Oberflächlichkeit und Eitelkeit, jenseits des Konsums, der uns oft von den eigentlichen existentiellen Fragen unseres Lebens ablenkt. Die Fastenzeit lädt uns ein, „anders“ zu werden und gerade darin mehr „ich selbst“ zu sein.

Die Fastenzeit ist aber kein Zerrspiegel wie der Fasching, der unsere Ecken und Kanten hervorhebt und lächerlich macht; es geht nicht darum, uns bloßzustellen. Sie ist vielmehr die Einladung, dass wir durch den Verzicht auf Dinge, die uns ablenken und belasten (und durch bewusst frei gehaltene Zeit für Stille und Gebet) uns selbst klarer sehen: so wie im Spiegel einer Wasseroberfläche, die erst dann ein klares Bild zeigt, wenn sich die Wellen verlaufen haben und alles still geworden ist. Erst dann sehen wir, wie es wirklich um uns bestellt ist.

Vielleicht sehen wir auch mehr als das: Vielleicht sehen wir, dass Einer mit uns in den Spiegel schaut – und uns dabei samt unseren Fältchen und Narben liebevoll anblickt. Vielleicht hören wir ihn sagen: Du bist schön, so wie du bist. Ich habe alles gut gemacht – auch dich.

Eine fröhliche Faschingszeit und eine fruchtbare und reiche Fastenzeit wünscht Euch und Ihnen

unterschrift

PR Barbara Göb, Hochschulseelsorgerin an der KHG Bayreuth

 

 

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